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Schuljahr 2017/18

 Bis die Lötkolben qualmen

Was ist bloß los an der Wolfgang Spießl-Schule in Stamsried? Kinder kommen freiwillig am Nachmittag in den Werkraum, um dort hochkonzentriert zu basteln, zu löten und zu schrauben. Dabei sind sie so sehr in ihre Arbeit vertieft, dass sie es gar nicht merken, wer ihnen gerade über die Schulter schaut.

Nachdem die Widerstände für das Namensschild gesteckt sind, verlöten Kristof und Razvan die Drähte an der Rückseite fein säuberlich.

Foto: wb

Es sind dies Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Höpfl, Präsident der Hochschule Deggendorf a. D. und Vorstandsmitglied des Vereins „TfK - Technik für Kinder“ sowie die Schulleiterin Hannelore Schönberger. An sechs Nachmittagen treffen sich die Mädchen und Buben zum Tüfteln. Aber nicht nur als angehende Techniker sind die Viertklässler an diesem Nachmittag unterwegs. Als Teilnehmer am Projekt „Zeitung in der Grundschule“ unseres Medienhauses, stellt Schulleiterin Hannelore Schönberger dem Professor auch junge Reporter vor. Sie nutzen den Einstieg in die Technik zugleich für eine Reportage.

Und der besondere Kick an diesem außergewöhnlichen „Unterrichtnachmittag“, ist, dass das technische Wissen und Know-how nicht von lehrerähnlichen Erwachsenen vermittelt wird, sondern von Auszubildenden.

Von der Firma „Crown Gabelstapler GmbH“ in Roding kommen an den jeweiligen Nachmittagen der Ausbildungsleiter Enrico Münch und vier Auszubildende an die Grundschule nach Stamsried. Zum Auftakt der Aktion „Technik für Kinder“ waren es folgende Auszubildende vom ersten bis zum dritten Lehrjahr: Alexander Kerscher, Thomas Brunner, Johannes Ruhland und Mathias Bauer.

Sie halfen den Mädchen und Buben, den Bausatz für den ersten Tag auszupacken und gaben Hilfestellung beim Einsetzen der Widerstände. Galt es doch ein High-Tech-Namensschild auf einer Leiterplatte mit elektrischen Widerständen herzustellen. „Bei besonders langen Vornamen haben wir uns spontan für eine Kurzform entschieden“, erzählt Ausbildungsleiter Enrico Münch. Sehr zur Freude der künftigen Technik-Spezialisten.

Denn genau für diese Berufssparte will die Aktion „Technik für Kinder“ das Interesse der Schüler wecken. „Das Projekt bietet eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Lehrplan und ermöglicht es den Kindern, ohne Lerndruck in die faszinierende Welt der Technik einzutauchen“, diktiert Prof. Dr. Reinhard Höpfl den jungen Reportern in ihren Block. Handwerk und Industrie klagen seit Jahren über zu wenig fokussierte Azubi-Bewerber.

Der Auszubildende Johann Ruhland hilft den beiden Buben Johannes und Luca (re.) beim Fertigstellen des Namenschildes. Foto: wb

 

An den Hochschulen ist nach den Worten von Prof. Höpfl die Zahl der Bewerber für ein Ingenieur-Studium stark rückläufig. „Sieben von zehn Unternehmen haben bereit jetzt Probleme, offene Stellen zu besetzen und befürchten langfristig den Verlust von Innovationspotential!“ Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Entscheidung für einen Technikberuf bei 80 Prozent bereits in der Kindheit begründet sei. Fußball erlernen die Kinder im Fußballverein, Tennis im Tennisverein, Musik an der Musikschule. „Aber wo lernt ein Kind Technik“?, fragte Prof. Höpfl die jungen Reporter. Nach seinen Worten werde zu wenig getan, um den technischen Nachwuchs, der die Basis des wirtschaftlichen Erfolges vieler Unternehmen ist, zu fördern und für Technik zu begeistern.

 

Auch der Ausbildungsleiter der Firma Crown, Enrico Münch (li.), legt Hand an. Er und die Azubis sind große Stützen für die Kinder. Foto: wb

 

Hier setze der gemeinnützige Verein „TfK - Technik für Kinder e.V“ an. Seit der Gründung im Jahr 2010 realisiert der Verein Projekte, bei denen Kinder sich mit technischen Themen auseinandersetzen und vor allem durch „Selbermachen“ von Technik und handwerklichem Tun begeistert werden. Eine selbstgebaute LED Taschenlampe, ein Wechselblinker und eine Sirene dürfen am Ende der sechs Nachmittage von den Kindern mit nach Hause genommen werden. „Diese Erfolgserlebnisse prägen die Kinder und legen den Grundstein für die spätere Berufswahl“, ist sich das TfK-Vorstandsmitglied, Prof. Dr. Reinhard Höpfl sicher.

„Crown“ als Partner an der Seite

Unter dem Motto „Begeistern durch Machen“, sei es dem Verein wichtig, dass Kinder ihre Affinität zu Technik durch selbstständiges Arbeiten und Ausprobieren erkennen. Besonders begrüßt Prof. Höpfl die Unterstützung durch viele Unternehmen in der Region. „Ohne diese Hilfe wäre es nicht möglich, so viele Kinder zu beeindrucken und zu fördern!“ Seit der Vereinsgründung wurden rund 29 000 Kinder und Jugendliche in über 9200 Veranstaltungen von der Welt der Technik begeistert.

 

Jasmin hat die Widerstände für das Namensschild schon alle in die Lochplatte gesteckt. Mit der Zange biegt sie nun die Drähte. Foto: wb

 

Eines dieser Unternehmen ist die Firma „Crown Gabelstapler“ in Roding. Das weltweit operierende Unternehmen ist nicht nur mit einer umfangreichen Palette an Gabelstaplern auf dem Markt sehr erfolgreich, sondern entwickelt und vertreibt auch Automatisierungs- und Flottenmanagementtechnologien.

Fabian ist fix mit der Zange. Foto: wb

 

Seit 1986 produziert das Unternehmen mit weltweit rund 14000 Mitarbeitern in Roding. „Aktuell hat die Firma in Roding, beziehungsweise in Altenkreith etwa 680 Mitarbeiter“, teilte Ausbildungsleiter Enrico Münch den jungen Reportern mit. Im Fertigungsstandort Roding werden aktuell 47 junge Menschen in den Bereichen Industriekaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik, Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Industriemechaniker, Fachinformatiker in der Anwendungsentwicklung sowie in der Systemintegration ausgebildet. Einige dieser Azubis engagieren sich auch in dem Projekt Technik für Kinder.

Und sie sind mit vollem Eifer dabei, wie das Beispiel an der Schule in Stamsried zeigt. „Hier werden die Auszubildenden das erste Mal in ihrem Berufsleben zu „Ausbildern“ und könnenden Schülern zeigen, was sie schon in ihrer Ausbildung gelernt haben“, fügt Enrico Münch hinzu.

Der Azubi Mathias hilft Luca beim Löten. Foto: wb

 

Parallel zu den Projekten an den Schulen betreut der Verein TfK drei Technikhäuser, in denen die Kinder wöchentlich an ihren Werkstücken bauen können. Unterstützt werden diese Projekte von insgesamt 400 Tutoren.